Geschichte

Großherzogliches Gesetz

geschichte1Durch ein Großherzogliches Gesetz vom 29. März 1890 und die Ausführungsverordnung vom 11. Oktober desselben Jahres waren die Gemeinden in Art. 4 verpflichtet worden, eine Freiwillige, Berufs- oder Pflichtfeuerwehr zu unterhalten.

fahneAm 18. Mai 1891 erschien der damalige Kreisfeuerwehrinspektor Moller aus Wöllstein in Offenheim, um die Feuerwehr zu inspizieren. Wahrscheinlich hatte er den Auftrag, zu erforschen, ob Offenheim für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr reif war. Die ersten Gespräche darüber sind sicherlich an diesem Sonntag geführt worden. Als Moller am 8. November erneut die Feuerwehr besuchte, wurde auf seine Anregung noch am gleichen Morgen die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Dies geschah sehr überraschend. Moller hatte keinen Satzungsvordruck für die Gründung vorbereitet, so dass er kurzerhand „Badenheim“ auf einem Satzungsvordruck für die dort geplante Gründung durchstrich und durch „Offenheim“ ersetzte. Dieser Satzungsentwurf wurde von den 28 anwesenden Männern unterschrieben und damit war die Freiwillige Feuerwehr Offenheim gegründet.

Mit der Genehmigung der Satzungen durch das Kreisamt Alzey am 27. Februar 1892, durch den Gemeinderat und den Bürgermeister als Ortspolizeibehörde am 31. Januar war der Gründungsvorgang nun endgültig abgeschlossen.

Die Einteilung der Mannschaften und die Wahl des „Chargierten“, den Führern und Unterführten, fand in einer Versammlung am 12. Dezember 1891 unter Leitung von Bürgermeister Lied statt. Gewählt wurde Wilhelm Sipp (Oberbrandmeister), Heinrich Greiner (Brandmeister), Konrad Wittmann (Zeugmeister) und Jakob Stappert (Hornist).

Die weiteren Mitglieder waren:

 1. Sektion
(Große Spritze)
2. Sektion
(Kleine Spritze)
SektionsführerJohann SippKarl Sommer
SpritzenmeisterPhilipp RothHeinrich Sipp
1. SchlauchführerWilhelm FreyJohann Prieß
2. SchlauchführerChristian BaumannPhilipp Kopf
1. SapeurPhilipp StabelAndreas Kopf
2. SapeurHeinrich SchlößerHeinrich Malkmus
1. PompierJakob SchmittPhilipp Stappert
2. PompierJohann BrandKarl Pfeiffer

Für andere Aufgaben stand die dritte Sektion zur Verfügung: Sektionsführer Wilhelm Hahn, Stellvertreter Wilhelm Weber, Mannschaft: Philipp Seib, Andreas Wasser, Ludwig Sauer, Friedrich Sauer, Friedrich Weber und Johann Lawall.

Mit der Genehmigung der Satzungen durch das Kreisamt Alzey am 27. Februar 1892, durch den Gemeinderat und den Bürgermeister als Ortspolizeibehörde am 31. Januar war der Gründungsvorgang endgültig abgeschlossen.

Feuerwehr-Historie

Die alte Bürgerfeuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr löste die alte Bürgerfeuerwehr ab. Als Erbe übernahm sie das Spritzenhaus, das 1873 im früheren Gemeindebackhaus eingerichtet worden war. Ein Plan für den Umbau befindet sich noch im Gemeindearchiv. In diesem Spritzenhaus wurden aufbewahrt: Eine große vierrädrige Druckspritze „älteren Systems“ (wohl aus den 70er Jahren) mit 153 Millimeter Zylinderweite, eine kleinere zweirädrige Druckspitze mit 80 Millimeter Zylinderweite und die zugehörigen Schläuche. Vier Feuerhaken und 90 Feuereimer waren an der Mauer neben den beiden Brunnenkammern in der Brunnengasse griffbereit aufgehängt. Kurz vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr wurde Mitte 1891 weitere 80 Meter Druckschläuche und zwei Dachleitern angeschafft.

Wie war aber die Brandbekämpfung organisiert in den Jahren vor 1891/92. Auf Grund einer Großherzoglichen Verordnung vom 21. März 1857 mußte der Bürgermeister der Gemeinde eine Anordnung aufstellen, in der praktisch allen männlichen Einwohnern für den Fall eines Brandes besondere Aufgaben zugewiesen wurden.

Falls nun ein Brand nachts ausgebrochen war, mußten in jedem Haus hinter den Fenstern eine brennende Laterne aufgestellt werden, damit die Straße beleuchtet war. Während des Brandes patrouillierte eine Sicherheitswache durch die einzelnen Dorfstraßen.

In der Anordnung vom 1. Mai 1890 hatte Bürgermeister Lied zehn der stärksten Männer dafür vorgesehen. Ihre Aufgabe war es, Diebstähle und Plünderungen zu verhindern, denn die Erfahrung hatte gelehrt, daß oft durch eine Brandstiftung an einem Ende des Dorfes die Einwohner alle an die Brandstelle eilten und ihre Wohnungen Dieben und Plünderern offen standen. Da durch solche Verbrechen der Gemeinde oft mehr Schaden entstand als durch den eigentlichen Brand, waren die Sicherheitswachen die ersten, die bei einem Brand in Aktion traten.

Sofort nach Bekanntwerden des Brandes, der durch das Läuten der Glocken angezeigt wurde, mußten neun Bauern mit Fuhrwerk und Wasserfaß an der Brandstelle vorfahren, wo bereits die große Spritze unter der Leitung von Spritzenmeister Wilhelm Sipp III. oder seines Vertreters Jakob Malkmus II. und Schlauchführer Mathias Wasser IV. einsatzbereit gemacht wurde. Der Einsatz der kleinen Spritze wurde von Philipp Roth, Ulrich Wasser und Johann Brand geleitet. Zur Bedienung der großen Spritze waren 23, zur Bedienung der kleinen sieben Männer eingesetzt, die sich nach einer gewissen Zeit ablösen konnten.

Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde war natürlich auch am Brandherd anwesend und leitete alle Aktionen. Er entschied auch, ob die fünf dafür vorgesehenen Männer angrenzende Bauwesen abdeckten, um ein Übergreifen des Brandes zu verhindern. 11 Ortsbürger mußten in die vom Brand bedrohten Häuser eindringen und versuchen, das zu retten, was noch zu retten war, und die herausgeschafften Möbel an einen sicheren Platz transportieren.

Inzwischen waren drei Feuerläufer (Adam Mandler, Jakob Pfeiffer und Johann Stappert) unterwegs, um Hilfe aus den Nachbardörfern Mauchenheim, Bechenheim und Weinheim herbeizuholen. Bei schlechter Witterung mußten drei Feuerreiter diese Aufgabe erfüllen (Johann Hepp, Philipp Kopf und Wilhelm Weber III.). Falls es in einem dieser Nachbarorte brannte und von dort nach Hilfe geschickt wurde, mußten Adam Kopf III., Wilhelm Weber III., Johann Kopf IV. und Wilhelm Booß anspannen und die beiden Spritzen sowie weitere Feuerbekämpfungsgeräte an den Brandherd transportieren.

Alle übrigen Einwohner bis zum Alter von 60 Jahren waren verpflichtet, „sich mit Eifer und Fleiß bei einem Brand zu beteiligen“.

Die Jahre bis zum ersten Weltkrieg

Ein grosses Problem bei der Brandbekämpfung war die Bereitstellung von genügend Löschwasser. In seinem Bericht vom 18. Mai 1891 hatte Kreisfeuerwehrinspektor Moller angeregt, ein Wassersammelbecken in der Gemeinde zu bauen. Dies wurde jedoch wegen der finanziellen Belastung nicht durchgeführt. Vielmehr brachte man 1892 am Brühlbach innerhalb des Dorfes eine Vorkehrung an, damit das Wasser bei einem Brand gestaut werden konnte.

Zum ersten Kommandantenwechsel kam es, als Wilhelm Sipp 1894 nach Alzey zog. Zu seinem Nachfolger wurde im April 1894 der Landwirt Konrad Wittmann gewählt, der bis 1904 dieses Amt innehatte. 1895 wurde endlich das Spritzenhaus von der Gemeinde etwas hergerichtet.

Ihr erstes Fest, die Fahnenweihe, verbunden mit dem Kreisfeuerwehrtag, feierte die Freiwillige Feuerwehr am 7. Juni 1903. Damals gab es im Dorf noch zwei rivalisierende Gesangvereine, und um die Einigkeit in der Wehr nicht zu gefährden, beschloß der Vorstand, entweder beide oder keinen der Vereine einzuladen. Die Generalversammlung entschied einige Tage später, am 5. April, daß kein Verein eingeladen werden sollte. Die Festrede hielt Pfarrer Mahr. Kreisfeuerwehrinspektor Moller wurde von Feuerwehrmann Karl Braun, der als Kavallerist aktiv gedient hatte, in Erbes-Büdesheim abgeholt.

Am 1. Mai 1904 löste Johann Sipp den seitherigen Kommandanten ab. Die zweite Generalversammlung des Jahres fand am 24. November statt. Anschließend feierte man den Geburtstag des Großherzogs, was sich auch 1905 und 1906 wiederholte. Bei der letzten Feier in dieser Reihe sprach man zum erstenmal über einen Feuerwehrball, den man am 2. Ostertag 1907 abhalten wollte. Der zweite und auch letzte Ball vor dem Ersten Weltkrieg fand am 2. Ostertag 1908 statt. Es spielte „die hiesige Kapelle mit 7 Mann“. Das Honorar betrug 49 Mark. Diese Veranstaltung ergab ein Defizit, das von den einzelnen Mitgliedern (pro Mitglied 30 Pfennig) getragen werden mußte. Aus diesem Grund ließ man die Idee eines Feuerwehrballes in Zukunft fallen.

Im Jahre 1907 erhielten die Feuerwehrmänner neue Uniformröcke, für die 450 Mark veranschlagt waren und für die ein Zuschuss von 225 Mark von der Brandkasse zugesagt wurde. Schneidermeister Greiner fertigte die neuen Uniformröcke an.

Drei Jahre später schaffte die Gemeinde für die Feuerwehr eine neue Saug- und Druckspritze an. Kreisfeuerwehrinspektor Weyell (Tiefenthal) hatte schon lange darauf bestanden, da der eine Zylinder der alten großen Spritze nicht mehr funktionierte. Die Spritze kostete 1256 Mark, wofür die Gemeinde einen Zuschuss von 628 Mark von der Brandkasse erhielt.

Am 28. Dezember 1914 hatte die Freiwillige Feuerwehr bei Heinrich Schnell einen Brand zu bekämpfen, was auch schnell und wirksam erfolgte. Die Aufregung im Dorf war groß und so geschah es, daß jemand ohne Befehl des Bürgermeisters oder des Kommandanten die Weinheimer und Mauchenheimer Feuerwehr zu Hilfe rief. Als die Hilfe ankam, war nichts mehr zu löschen. Die Wehren verlangten jedoch die ihnen zustehende Entschädigung für den Einsatz. Doch wer hatte sie überhaupt bestellt? In Offenheim war dies nicht mehr festzustellen, und so kam es zu einem Briefwechsel der Wehrführer. Schließlich verzichteten die Kommandanten Frieß (Weinheim) und Jakob Becker XI. (Mauchenheim) „im Sinne der Gegenseitigkeit auf jede Entschädigung“.

Während des großen Krieges 1914–1918 waren die meisten Feuerwehrmänner im Feld, viele davon kamen nicht mehr zurück. Hilfsmannschaften übernahmen im Dorf die Aufgaben der Feuerwehr. Aus einem Inspektionsbericht vom 17. März 1918 geht hervor, dass von den 28 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr von 1914 nur zwei anwesend waren. Dazu kamen 56 Männer der Hilfsmannschaften.

Die Freiwillige Feuerwehr unter Kommandant Karl Sommer III.

Aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sind keine besonderen Vorkommnisse zu berichten. Seit April 192o war der Küfermeister Karl Sommer III. Feuerwehrkommandant; sein Vorgänger wurde mit seinem Rücktritt Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Eine besondere Aktivität in der Wehr ist erst wieder im Jahr 1958 festzustellen. Nach einer Inspektion der Freiwilligen Feuerwehr hatte der Kreisbrandinspektor am 20. Juli 1938 den Bau einer Zisterne dringend geraten, da der Wasserlauf im Ort zum Einbau von Stauvorrichtungen ungeeignet sei und so im Fall eines Brandes nicht genug Wasser zur Verfügung stehe. Ein interessanter Plan stand damals zur Debatte, nämlich der Bau einer Mittelpunktsportanlage für das ganze Gebiet mit Sporthalle, Schießstand und Schwimmbad am Ostende des Dorfes. Dieses Projekt hätte die Gemeinde fast nichts gekostet, und das Problem des Feuerlöschteiches wäre auch gleichzeitig gelöst worden. Der damalige Bürgermeister Greiner  berichtete im Juni 1959 an das Landratsamt: „Die Errichtung des Schwimmbades kann sich allerdings noch eins bis zwei Jahre hinausschieben.“ Aus diesem Hinausschieben machte der Krieg, der am 1. September 1939 ausbrach, ein Ende. An ein Schwimmbad war nicht mehr zu denken. Die reine Zweckmäßigkeit war jetzt ausschlaggebend.

An Stelle eines Löschwasserteiches wurde 1945 ein 55 Kubikmeter Wasser fassender Löschwasserbehälter mit natürlicher Quellenspeisung gebaut, wobei die gesamten Erdarbeiten in gemeinschaftlicher Arbeit ausgeführt wurden. Dennoch kostete das Projekt die Gemeinde fast 5ooo Reichsmark. Im Jahr 1945 wurde auch eine neue TS 8 Motorspritze mit Transwortwagen für 338o Mark erworben.

Die zweite Weltkrieg

Feuersbrünste waren während des Krieges bis zum Einzug der Alliierten am 20. März 1945 nicht zu verzeichnen. An diesem Dienstag näherten sich die amerikanischen Panzer in der Frühe von Nack aus unserem Dorf und nahmen es zwischen 6 und 8 Uhr unter Beschuß. Besonders wurde dabei die Nordseite des Dorfes in Mitleidenschaft gezogen. Folgende Wirtschaftsgebäude brannten ab: in der Untergasse die von Karl Seib, Jakob Förster, Albert Schröder, in der Unteren Schäfergasse die von Valentin Hepp, Karl Sauer I. (jetzt Heinrich Groben) und Heinrich Huber, in der Bechenheimer Straße die von Heinrich Brück (jetzt Heinrich Stumpf) und der Ebersfelder Hof. Bei Otto Knobloch (Untergasse) brannte mit der Scheune auch ein Teil des Wohnhauses ab. An den Löscharbeiten beteiligten sich alle anwesenden Einwohner.

Am Ortseingang in der Untergasse waren neben den abgebrannten Scheunen durch Granateinschläge die Scheune und das Wohnhaus von Emma Fath und das Wohnhaus von Karl Knell zerstört. Viele Dächer waren abgedeckt, nur wenige Fensterscheiben waren heil geblieben. Zerstört war auch die Scheune von Jakob Hepp. Eine Granate war in den Kirchturm eingeschlagen, so daß dieser zwei Jahre später umgelegt werden mußte. Durch die Detonation waren Stalltüren aufgeflogen, die aufgeschreckten Schweine liefen frei herum. Dabei kam es zu jenem Zwischenfall, der zeigte, daß auch in dieser Phase des Krieges noch ab und zu ein Funken Menschlichkeit zu finden war. Als Jakob Becker nämlich in sein Haus zurückkam, fand er den Schweinestall leer. Er hörte, daß sein Schwein vor dem Pfarrhaus herumlaufe und eilte hin, es wieder einzufangen, trotz der durch das Dorf brausenden Panzer. Als das Schwein zwischen den Panzern hin und herlief, stoppte die ganze Kolonne und schaute zu, wie der Besitzer sein wertvolles Tier heimtrieb.

Zwei Brände in der Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit erinnern wir uns an zwei große Feuersbrünste. Am 26. August 1945 brannte beim Dreschen nach einer Staubexplosion die Scheune von Johann Lawall, Hintergasse, ab. Adolf Stappert und Lina Siebecker, die unter dem Dach das Stroh setzten, konnten sich nicht mehr aus der brennenden Scheune retten und kamen in dem Flammenmeer um. Auch die herbeigeeilten Weinheimer und Alzeyer Feuerwehren konnten den Brand nicht löschen. Noch tagelang war eine Rauchsäule weithin sichtbar, bis auch die letzten Getreidekörner verschmort waren. Zwei Jahre später traf es wieder die Familie Lawall. Jetzt war es der Fruchtstock im Feld, der abbrannte.

Reorganisation der Freiwilligen Feuerwehr

Nach dem Zusammenbruch 1945 trat zunächst keine Änderung in der Zusammensetzung der Freiwilligen Feuerwehr ein. Bei der alliierten Besetzung verschwand die erst 1945 angeschaffte TS 8. Zum Löschen eines Brandes standen also nur die beiden alten Pumpspritzen zur Verfügung, bis im Juni 1947 eine neue TS 8 angeschafft wurde. Am 1. Juni 1946 wurde die alte Mannschaft unter der Führung von Karl Sommer III. abgelöst durch die jüngste Wehr, die Offenheim je hatte. Das Durchschnittsalter lag bei weniger als 19 Jahren. Ältester war Kommandant Heinrich Groben (25) und Jüngster war Kurt Trautwein (15). Bürgermeister Weber berichtete ans Landratsamt: „Nachdem die Freiwillige Feuerwehr nur noch mit 15 Mann besetzt werden darf, sind die alten Feuerwehrmannschaften zugunsten der Jugend zurückgetreten und sie haben sich verpflichtet, die jungen Feuerwehrmänner in ihr Amt einzuführen und sie mit den vorhandenen Spritzen vertraut zu machen.“ Die Wehr setzte sich zusammen aus:

1. Wehrführer Heinrich Groben2. Wehrführer Otto Wasser
Karl MayPhilipp Wasser I.
Kurt TrautweinPhilipp Wasser II.
Willi WagnerWilli Förster
Willi MalkmusWalter Emmerich
Engelbert DiehlKurt Wasser
Karl Heinz StappertHermann Becker
Alfred SchüttererErich Malkmus

Walter Emmerich schied noch im selben Jahr aus und an seine Stelle trat Heinrich Wasser. Diese Männer bildeten den Kern der Freiwilligen Feuerwehr.

Bald kam es jedoch erneut zu einem Kommandantenwechsel. Da Heinrich Groben als Leutnant der Reserve der Wehrmacht angehört hatte, mußte er auf Verfügung der Besatzungsmacht im September 1947 ausscheiden, genauso erging es Heinrich Wasser, weil er im Krieg der SS angehört hatte. Als neuer Kommandant wurde Schmiedemeister Adolf Roth am 3. Januar 1948 verpflichtet. Ihm folgte 195o sein Sohn Ludwig.

Die Alters- und Ehrenabteilung

Auf seine Initiative hin wurde am 11. 3. 1956 die Alters- und Ehrenabteilung gegründet. Ihr gehörten alle ehemaligen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr an:

Booß, WilhelmKopf, Johann HeinrichSeib, Karl
Brand, FritzLimbacher, HeinrichSommer, Karl III.
Braun, JakobMichel, GeorgStabel, Friedrich
Förster, JakobPfannkuchen, KarlStabel, Wilhelm II.
Greiner, TheodorRoth, AdolfWasser, Johann
Keller, WilhelmSauer, FritzWeber, Johann III.
Knecht, KarlSchnell, FriedrichWeber, Wilhelm
Knell, KarlSchütterer, Valentin

Durch einen Beschluß der Generalversammlung vom 14. Januar 1964 wurde schließlich bestimmt, daß jeder Feuerwehrmann beim Ausscheiden aus der aktiven Wehr nach 15 jähriger Dienstzeit automatisch in die Alters- und Ehrenabteilung aufgenommen wird. Von der jüngeren Generation gehören ihr demnach an: Förster Willi, May Karl und Wasser Otto.

Zum Glück brauchte in den letzten 20 Jahren die Wehr in unserem Heimatdorf nicht mehr in den Einsatz, jedoch war sie stets einsatzbereit, wie es ihr der damalige Kreisfeuerwehrinspektor Scherrer am 3o. August 1958 bescheinigte: „Die Freiwillige Feuerwehr Offenheim kann als eine der besten des Kreises angesprochen werden. Obwohl die Ernte noch in vollem Gang war, war die Wehr fast vollzählig und mit drei Traktoren angetreten.“

1974
ging der Verantwortungsbereich für den Brandschutz von den Ortsgemeinden an die Verbandsgemeinde Alzey-Land über. Erster VG-Wehrleiter wurde Kamerad Freund aus Albig.

1975
Auf der Generalversammlung stellte Ludwig Roth sein Amt als Kommandant zur Verfügung. Sein Rücktritt nach fast 25-jähriger Dienstzeit wurde sehr bedauert, doch auch die Umstimmungsversuche von Bürgermeister Greiner und Wehrleiter Freund konnte ihn nicht von seiner Entscheidung abbringen. Glücklicherweise fand sich mit dem bisherigen Stellvertreter Dieter Weber ein geeigneter Nachfolger.

1976
Eine Besonderheit der Offenheimer Feuerwehr war die 1976 gegründete Singgruppe. Unter Leitung von iDrigent Engelbert Diehl war das Singen von Feuerwehr-, Wein-, und Heimatliedern gut 30 Jahre fester Bestandteil des kameradschaftlichen Lebens. lhren ersten Auftritt vor einem größeren Publikum hatte die Gruppe am 3. April
1976 in Eppelsheim. Die Verbandsgemeinde Alzey-Land veranstaltete einen Unterhaltungsabend für die Feuerwehren und unsere Singgruppe beteiligte sich an der musikalischen Umrahmung. Bis 2006 folgten zahlreiche weitere Auftritte auf Veranstaltungen und Feuerwehrfesten der Umgebung.

Am 3. Mai 1976 wurde die Feuerwehr zu einem Brand auf dem Anwesen ihres Kommandanten alarmiert. Eine Scheune stand in Flammen und das Feuer drohte auf benachbarte Gebäude und die evangelische Kirche überzugreifen. Mit Unterstützung der Alzeyer Feuerwehr konnte der Brand nach mehrstündigen Löscharbeiten unter Kontrolle gebracht werden.

1977
Da das alte Spritzenhaus verkauft werden sollte, musste sich die Feuerwehr nach einer neuen Bleibe umsehen. Wehrführer Dieter Weber und Stellvertreter Karl-Heinz Adam bekamen nach Verhandlungen mit der Verbandsgemeinde einen Betrag von 10000 DM für das Vorhaben zugesagt, welcher ursprünglich für eine LKW-Fertiggarage verwendet werden sollte. Auf einer Versammlung der aktiven Wehrmänner im Juni 1977 entschied man sich hingegen für eine andere Lösung. Der Zuschuss sollte für die Beschaffung von Baumaterial genutzt werden um mit Hilfe von Eigenleistung ein größeres und besser ausgestattetes Gerätehaus zu schaffen. Hierfür wurde die nicht mehr genutzte Grundschule in rund 1500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden entsprechend ausgebaut und am 4. Juni 1978 als neues Feuerwehrgerätehaus eingeweiht.

1978 erhielt die Wehr ihr erstes Feuerwehrauto, einen Ford Transit, für dessen Ausrüstung eine neue TS8 Pumpe angeschafft wurde.

1979
erwarb man einen ehemaligen Polizeimannschaftswagen, der von den Kameraden zu einem 1000 fassenden Waldbrandwagen umgebaut wurde. Somit war man auch für Einsätze im Vorholzwald (dem größten zusammenhängendem Waldgebiet Rheinhessens) gerüstet.

1981
anlässlich seines 60. Geburtstages wurde Alt-Kommandant Ludwig Roth zum Ehrenkommandanten ernannt. Der Offenheimer Feuerwehrchor und die Alzeyer Feuerwehrkapelle erfreuten Ihn mit einem Ständchen.

1982
Die Festlichkeiten für das 90-Jährige Jubiläum vom 20-23. Mai wurden erneut mit etwas Verspätung ausgerichtet. Diesmal gemeinsam mit dem Offenheimer Sportverein, der sein 20-jähriges Bestehen feiern konnte. Auf dem Baugebiet „Hinter den Gärten“ wurde ein großes Festzelt errichtet und beide Jubilare sorgten an den drei Festtagen für ein abwechslungsreiches Programm.

1985
War das internationale Jahr der Jugend und der perfekte Anlass um eine Jugendfeuerwehr ins Leben zu rufen. Zusammen mit den Nachbarwehren aus Bechenheim und Mauchenheim wurde am 2. November die Jugendfeuerwehr Vorholz gegründet. Insgesamt 28 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 11 und 16 Jahren waren an der Gründung beteiligt. Aus diesem Anlass wurde auf dem Dorfplatz ein Baum gepflanzt, der noch heute an die Gründung der Jugendwehr erinnert. Zum ersten Jugendwart wurde Hartwig Gerbracht (Offenheim) gewählt. Ihn unterstützten die Betreuer Dieter Arm (Bechenheim), Dietmar Knell (Mauchenheim) und Peter Odermann (Offenheim).

1986
Da sich das alte Tragkraftspritzen Fahrzeug immer mehr zum „Sorgenkind“ der Wehr entwickelte, wurde es durch ein neues TSF der Firma Ziegler ersetzt. Dieses Fahrzeug leistet bis heute verlässlich seinen Dienst in unserer Feuerwehr.

1989
Am Kerbemontag, den 10 Juli, Um 5.20 Uhr wurde unsere Wehr zu einem Dachstuhlbrand im Forsthaus Vorholz alarmiert. Gemeinsam mit der Alzeyer Feuerwehr und unterstützt durch die Alters- und Ehrenabteilung, die mit Traktoren aufwendig Wasser zur Einsatzstelle befördern mußte, wurde der Brand erfolgreich bekämpft.

1990
Vom 24.-27. Mai wurde das 100-Jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert. Begonnen wurden die Festlichkeiten mit einem Totengedenken am Ehrenmahl und einem Gottesdienst unter freiem Himmel. Als Festplatz diente die Gemeindehalle samt Nebenfläche, wo ein großer Biergarten errichtet wurde. Zu den Feierlichkeiten konnte erstmals auch eine Delegation der Freiwilligen Feuerwehr aus Stutzheim-Offenheim, unserer elsässischen Partnergemeinde, begrüßt werden.

1991
Auf der Generalversammlung des Jahres 1991 musste eine neue Wehrführung gewählt werden. Dieter Weber hatte bereits im Jahr zuvor seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen angekündigt. Zum neuen Wehrführer wurde der damalige Ortsbürgermeister Karl-Heinz Adam gewählt, die Funktion des Stellvertreters übernahm Hans Joachim Dzijak.

Am 27. Dezember 1991 rückte die Wehr zu einem Zimmerbrand in die Umtergasse aus. Kinder hatten beim Spielen mit einer Kerze ein Feuer entfacht, zum Glück kamen sie nicht zu Schaden. Da der Offenheimer Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt noch keine Atemschutzgeräte zu Verfügung standen, mußte die Alzeyer Feuerwehr zur Unterstützung gerufen werden. Trotz starker Rauchentwicklung gelang es s0, den Brand ohne größeren Wasserschaden zu löschen. Das Fehlen von Atemschutzgeräten wurde als offensichtliches Manko erkannt.

1993
beschaffte die Verbandsgemeinde Alzey-Land auch für die Feuerwehren Erbes-Büdesheim, Mauchenheim und Offenheim vier Atemschutzgeräte. Jede der Wehren musste hierfür mindestens drei Kameraden mit einer entsprechenden Ausbildung vorweisen. Erstmals kamen die Geräte bei einem Hausbrand in Erbes-Büdesheim zum Einsatz, bei dem das Gebäude nach lebenden Personen abgesucht wurde. Im folgenden Jahr erhielten die Atemschutzgeräteträger zusätzlich Funkmeldeempfänger um eine Alarmierung auch außerhalb des Ortes zu ermöglichen.

1995
löste Volker Knobloch, Hans Jochachim Djzak auf dem Posten des stellvertretenden Wehrführers ab.

1998
Aufgrund seiner langjährigen Dienstzeit in der Feuerwehr, darunter 16 Jahre als Wehrführer, wurde Dieter Weber auf der Generalversammlung des Jahres 1998 mit der Ehrenwehrführerwürde ausgezeichnet.

Damit Offenheim mit seinen ca. 842,61 ha Waldgebiet wieder über ein wasserführendes Fahrzeug verfügte, erwarb man im selben Jahr von der Alzeyer Feuerwehr ein TLF 16/24 (2400l Wasser). Die Notwendigkeit eines neuen Gerätehauses wurde nun immer offensichtlicher. S0 musste die benachbarte „Huberscheune“ zunächst als zusätzliche Behelfs-Fahrzeughalle dienen. Bereits beim Kauf der Scheune durch die Ortsgemeinde im Jahre 1994, gab es erste Überlegungen, diese zu einem neuen Feuerwehrgerätehaus umzubauen. Ein Vorhaben, das mehr als zehn Jahre später verwirklicht werden sollte.

1999
gründete sich der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Offenheim. Er hat die Aufgabe die Feuerwehr durch die Anschaffung von Ausrüstung und Gerätschaften zu unterstützen. Auf der Gründungsversammlung am 8. Februar wurde Hans Joachim Dzijak zum 1. Vorsitzenden gewählt. Ihm folgten Achim Lahr (2003-2010), Rainer
Stumpf (2010-2015) und Walter Odermann (2016-heute). Im 125-Jubiläumsjahr der Freiwilligen Feuerwehr 2016 zählt der Verein ca. 140 Mitglieder. Im selben Jahr löste Volker Lahr den bisherigen stellvertretenden Wehrführer Volker Knobloch ab.

2000
Am 6. Februar wurde unsere Feuerwehr zu einem Einsatz vor den Toren des Gerätehauses alarmiert. Beim Kastenvorverkauf des hiesigen Karnevalvereins war es zu einem schweren Unfall gekommen. Aus einer Propangasflasche entwich der Inhalt und löste eine Verpuffung in den Räumen der „Alten Schule“ aus. Sieben Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, der Sachschaden war enorm und man kann von Glück sprechen, das keine Toten zu beklagen waren.

2001
Auf eine Rekorddienstzeit von stolzen 55 Jahren konnte Engelbert Diehl bei seiner Entpflichtung am 12. Februar 2001 zurückblicken. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst blieb er als Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr treu. Weiterhin war er mit dem Amt des Schriftführers und der Leitung der Singgruppe betraut.

2005
Im September begannen die Umbauarbeiten für das neue Feuerwehr-Gerätehaus. Wehrführer Adam war es im Vorfeld gelungen die zuständigen Stellen von dem Vorhaben zu überzeugen. Das Land Rheinland-Pfalz gewährte einen Zuschuss von ca. 190.000 Euro. Mit viel Eigenleistung gelang es das neue Domizil innerhalb nur eines Jahres fertigzustellen. Rund 6000 ehrenamtliche Arbeitsstunden steckten die Wehrmänner zusammen mit vielen freiwilligen Helfern in den Umbau der alten „Huberscheune“.

2006
wurde Volker Lahr zum Wehrführer gewählt. Die Funktion des Stellvertreters wurde zunächst von Eric Adam ausgeübt, ihm folgten Christian Förster (2007-2010) und Christof Bienroth (2010-2016). Unter Wehrführer Lahr Wurde das Ausbildungsangebot weiter ergänzt. Neben den regulären monatlichen Übungsstunden wurden meist an den Wochenenden zusätzliche Schwerpunktübungen angeboten. Dazu gehörte beispielsweise das Abseilen an Gebäuden oder spezielle Einsatz-Szenarien für die Atemschutzgeräteträger. Der Besuch des Brandhauses an der Landesfeuerwehrschule in Koblenz und eines mobilen Zimmerbrand-Simulators ermöglichten ein realitätsnahes Training.

Ende Juli 2006, sorgte ein Platzregen für einen seltenen Hochwassereinsatz. In manchen Straßen stand das Wasser bis über die Knöchel und folglich mussten auch etliche Keller leer gepumpt werden.

Im August wurde das neue Gerätehaus mit einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Feuerwehr Singgruppe und der evangelische Posaunenchor aus Weinheim. Wehrführer Volker Lahr konnte rund 300 Gäste bei strahlendem Sonnenschein zum Festakt begrüßen. Die Kameraden der Offenheimer Feuerwehr nutzten diesen Anlass um ihren ehemaligen Wehrführer Karl-Heinz Adam zum Ehrenwehrführer zu ernennen. Es war nicht Zuletzt Adams Engagement, welches den Bau des neuen Gerätehauses ermöglichte.

Ein besonders tragischer Einsatz ereignete sich am 10.09.2006. Am frühen Morgen wurde unsere Wehr zu einem Brand in die Untergasse alarmiert, wo die Scheune von Familie Roth in Flammen Stand. Für unserem Kameraden Rainer Roth, der sich bei Ausbruch des Feuers in der Scheune befand, kam jede Hilfe zu spät.

2007
Mit Stephanie Hoffmann wurde erstmals eine Frau für den Offenheimer Feuerwehrdienst verpflichtet.

2010
Thorsten Hering, Lukas Hof und Walter Odermann belegen beim Ernst-Scherrer-Gedächtnispokal den ersten Platz.

2012
Seit August 2012 ist ein Löschgruppenfahrzeug-Katastrophenschutz in Offenheim stationiert. Das LF-KatS bildet zusammen mit dem in Flonheim befindlichen Schlauchwagen 2000 die Löschwasserförderkomponente des Landkreises Alzey-Worms. Beide Fahrzeuge werden bei Großschadenslagen und zur Wasserförderung über
lange Wegstrecken im gesamten Landkreis eingesetzt.

2016
Zu Beginn des Jubiläumsjahres gab es erneut einen Wechsel an der Spitze unserer Wehr. Auf der Generalversammlung im Januar wurde Christof Bienroth zum neuen Wehrführer gewählt. Unterstützt wird er von Andreas Kern, welcher das Amt des Stellvertreters übernahm.

„Gott zur Ehr- dem Nächsten zur Wehr“ – Unter diesem Motto verrichten Offenheimer Bürger seit 125 Jahren Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr. Mag sich das Aufgabenspektrum auch stark gewandelt haben, so ist doch die „Hilfe für den Nächsten“ nach wie vor der zentrale Leitgedanke. Stets haben sich Menschen gefunden, die uneigennützig, bei jeder Witterung und zu jeder Tageszeit die Einsatzbereitschaft zum Schutze der Bürger sicherstellen. Tradition und Gemeinschaft haben sich bis heute erhalten und bilden die Grundlage, von der unsere Wehr bis heute lebt.

Text: Friedel Sauer (1968), erweitert und ergänzt 2016 von Johannes Knobloch auf Grundlage der Protokollbücher von 1951-2016.